Vor einem Jahr habe ich sie das erste mal im Krankenhaus besucht. Ich hatte Angst, fürchterliche Angst denn Thomas und Vanessa hatten mir durch ihre Erzählungen schreckliche Bilder in den Kopf gesetzt. Ich konnte Nächte vorher nicht schlafen. Keiner wusste wie es um dich steht, du lagst noch im Koma. Vor dem Krankenhaus bekam ich wieder einen Heul-krampf. Ich sackte zu Boden. Nach ein paar Minuten ging es dann wieder. Papa und Lydia begleiteten mich. Wir fuhren auf die Station. Dort stand schon Thomas mit einem Arzt. Ich musste mit dem Arzt und Thomas in einen ziemlich kalten, kahlen Raum. Der Arzt sagte mir, dass es gut wäre, wenn ich mit dir sprechen würde, damit du meine Stimme hörst, denn die hättest du verankert. Es wäre eine Möglichkeit dass du dann auffachen würdest.
Dann musste ich mir die Hände desinfizieren und musste Mundschutz und blaue Kleidung anziehen. Ich war nervös und ängstlich. Der Arzt meinte ich soll mich beruhigen und mich von den Geräten und Schläuchen nicht irritieren lassen.
Dann ging ich aus dem Raum raus, durch einen Meterlangen Flur in irgendeine Türe. Dort lagst du. Als ich dich den ersten Moment sah, dachte ich, ich würde jetzt umfallen. Gefühlte 100 Geräte waren an dir angeschlossen un überall waren Schläuche. Ein ganz Dicker kam aus einer kahlen Stelle aus deinem Kopf. Dort lief eine rote Flüssigkeit durch. Denke mal Blut. Du hattest die Augen zu. Dein Gesicht war blass und verfallen. Deine Arme waren gefesselt, damit du dir wenn du aufwachst, keine Schläuche raus ziehen kannst. Der Arzt sagte ich soll deine linke Hand abmachen, sie nehmen und streicheln, denn rechst wärst du gelähmt. Ich machte sie ab, streichelte sie. Vorsichtig. Keine Rührung kam. Dann bat er mich, mit dir zu reden, über Gott und die Welt. Ich zitterte am ganzen Körper. Ich wollte am liebsten rückwärts wieder rauslaufen. Aber dann fing ich einfach an zu reden. Ich habe keine Ahnung, was ich damals alles gesagt habe. Aber ich redete mir eine halbe Stunden den Mund fusselig. Der Arzt war inzwischen gegangen und Thomas gekommen. Er saß da, ganz still, verzweifelnd weinen auf einem klapprigem Stuhl. Aber ich redete weiter, einfach weiter, streichelte deine Hand die ganze Zeit. Plötzlich machtest du dein linkes Auge auf und schautest mich an. Ich blieb ruhig und redete weiter. Dann bemerkte auch Thomas das du dein Auge offen hattest. Sofort holte er den Arzt. Ich blieb stehen. Wie angewurzelt. Ich bemerkte das du mir etwas sagen wolltest, aber du konntest nicht sprechen. Deine Hand fing an sich zu bewegen und du strichst mir ganz leicht über mein Gesicht. Ich redete weiter. Nach zwei Stunden, bat der Arzt mich zu gehen. Thomas war die Erleichterung, dass du aufgewacht bist ins Gesicht geschrieben.
Dann ging ich wieder in den kahlen, kalten Raum, wusch mir die Hände und zog die Kleidung aus. Papa und Lydia haben mich sofort in den Arm genommen. Dann habe ich ihnen erzählt, dass du aufgewacht bist. Sie waren ebenfalls erleichtert.
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